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Heute morgen, als mir ein Hund zulief …

Erstellt von Claudia am Mittwoch 11. Juni 2008

 

Zu morgendlichen Unzeiten weckten mich die Pfleglinge Gero & Francis und auch Pamuya machte mir nachdrücklich klar, dass es jetzt Zeit zum Aufstehen ist. Der Wecker zeigte 04:45 Uhr. Ich ließ mich überreden und der Tag begann. Siebenwöchige, ausgeschlafene Welpen haben eine enorme Energie. Geballte Welpen-Power gegen menschliche Müdigkeit, Kraftlosigkeit und fehlendem morgendlichen Schwung. Glücklicherweise fing Pamuya einen Teil dieser "Ich-bin-ja-so-fit"-Stimmung ab und ich konnte nach und nach aufwachen.

Durch einen Kaffee gestärkt und halbwegs wach, freute ich mich auf einen langen Spaziergang mit Pamuya und Knut. Die Welpis waren müde geworden und erholten sich für die nächsten Action-Szenen.

Gerade als wir das Wohnviertel verließen und die Brücke zum Schlaggraben überquerten, kam ein Hund regelrecht herangefegt. Durch das Tempo flatterten die Ohren. Das wuschlige, reichlich vorhandene Fell wehte nach hinten. Meine Hunde hatten offenbar nichts gegen diese Begleitung  und Pamuya schien sich sogar zu freuen. Dennoch: Ein wildfremder Hund zu so früher Stunde, mit äußerst schmucken und geschmackvollem Halsband, hat sicher Besitzer. So wartete ich eine Minute, zwei, fünf und auch sechs. Niemand kam. Vielleicht ist dieser Hund ausgerissen, so dachte ich.

Kurz entschlossen entschied ich mich, zunächst meinen Spaziergang wie geplant fortzusetzen. Später ist immer noch genügend Zeit, sich um alles zu kümmern. Der schwarze zugelaufene Hund entpuppte sich als Hündin mit schwarzem Zottelfell. Die beiden Mädels rannten um die Wette. Zum Schutz des Wildes und aus Angst vor Wildschweinen (oh was hab ich für eine Meure vor den Viechern) ließ ich Knut, als wir in den dichteren Wald hineinkamen, in Abständen von mehreren hundert Metern bellen. Das Wild konnte so rechtzeitig das Weite suchen und das zugelaufene Zottelvieh hatte keine Chance, ein Reh zu hetzen. So weit so gut.

Unser Spaziergang näherte sich bereits dem Ende zu und alles verlief friedlich. Ich nahm den Pfad durch dichtes Gebüsch an einem Graben entlang, dachte ich doch, dass die Hunde sich hier abkühlen könnten. Ich warf ein Stöckchen und Knut und Pamuya stürzten sich in die Fluten. Da Knut sich nach dem Bringen des Stöckchens lieber noch eine Runde im Dreck wälzen wollte, ging ich einfach weiter. Das Reißen eines Stoffes und das Schnaufen meines Hundes ließen mich aufhorchen. Stolz erhobenen Hauptes trug Knut den Stock in seinem Maul, der sich wiederum in meinem recht betagten, langen Kleid verfangen hatte und nun in Fetzen an mir herunterhing. Ein wenig ärgerlich. Ich verabschiedete mich gedanklich von dem über die Jahre so lieb gewordenem Kleidungsstück, erinnerte mich, wie ich es einst erstand.

Ich hing meinen Gedanken unbeschwert nach. Die Hunde spielten, der Wald war zu Ende, ein prophylaktisches Verbellen von Wild war nicht mehr notwendig, so dachte ich. Plötzlich und wie der Blitz schlugen der zugelaufene Zottelhund und Pamuya einen Haken und verschwanden im Dickicht. Ich hörte sie, es konnte nur wenige Meter sein, aber ich sah nichts, weil dichtes Laub die Sicht verdeckte. Ein Kläffen zweier angreifender Hunde, ein wütendes Grunzen – es war so nah, so verdammt nah. Kurz darauf stürzte Pamuya auf mich zu, einen Augenblick später das herrenlose Zottelvieh. Meine Gedanken überschlugen sich in dem Versuch, zu ordnen, was sich abgespielt hatte: Grunzen bedeutet Wildschwein. Wildschwein bedeutet, Claudia hat panische Angst. Wildschwein kann wütend sein und seine Angreifer verfolgen. Mit zitternden Beinen stand ich da, stammelte wirres Zeug vor mich hin und mein Blick wurde erst wieder klarer, als ich in Pamuyas fragende Augen blickte. Was ist nun zu tun, Claudia, schien sie zu fragen. Oh, wir rennen um unser Leben, Pamuchen, antwortete ich ihr. Gedacht, getan. Ich nahm die Beine in die Hand und rannte. Am Ende des Pfades stoppte ich, atmete durch, leinte notdürftig die Hunde an (ich hatte ja eine Leine zu wenig) und machte mich auf den Heimweg.

Claudia Hauer

PS: Achso, Sie wollen sicher wissen, was mit dem zugelaufenen Hund geschah und wer das war? – Nun, die Zottelhündin konnte ihrem Besitzer wieder zugeführt werden. Sie hatte das angelehnte Gartentor genutzt, um auszubüchsen, als ihr Herrchen sie in den Garten ließ, wie sich herausstellte. Jetzt ist sie wieder glücklich mit ihrem Herrchen vereint :-) Hier ein Bild des "Zottelviehs":

 

3 Kommentare zu “Heute morgen, als mir ein Hund zulief …”

  1. Christine sagt:

    Liebe Claudia,dein Bericht ist einfach köstlich .Ich kann dich so gut verstehen mit den Wildschweinen,den mir geht es oft genau so und ich bin dann froh wenn die Hunde bellen oder ich einfach laut pfeife oder singe um sie zuverschrecken!
    Viel Spaß noch Gruß Christine

  2. Claudia sagt:

    Hi Christine, freue mich, wenn es gefällt. Das Schöne daran ist, nix ist gelogen! Alles wahre Tatsachen ;-)

    … aber mal unter uns. Die Geschichte mit dem Wildschwein ist etwas zu milde dargestellt. Ich hab da nämlich so ein “Kindheits-Trauma”. Ich hatte kurz nach dieser Begegnung noch eine andere Möglichkeit in Erwägung gezogen: Einfach hysterisch losheulen. Aber das verraten wir den anderen nicht, ist ja öffentlich, gell ;-) Schließlich hab ich mich ja dann doch lieber fürs “Rennen” entschieden …

    LG Claudia

  3. Bean' Frauchen sagt:

    Hallo Claudia,
    auch ich kann die Panik vor Wildschweinen seit heute verstehen.
    Ich und Bean rafften uns heute morgen müde auf, um unseren gewohnten Spaziergang zu machen. Ab und An durchqueren wir den Platz zwischen Elbeallee und Rheinstraße- so wie heute auch.Ich ließ Bean von der Leine und er in gewohnter Manier
    ab in die Büsche. Frau träumte so vor sich hin und auf einmal kam Bean wie von einer Tarantel gestochen aus dem Gebüsch gestürmt,dicht gefolgt von einem Wildschwein. Jawohl Wildschwein. Ich als alter Marzahner hatte bis dato noch keines so live erlebt. Keine Ahnung ob ich ein Schrei losgelassen habe, aber irgentwie konnte ich mich nicht mehr bewegen. Das Viech stand etwa 5 Meter vor mir. Auge um Auge so zusagen. Von Bean keine Spur. Gott sei Dank machte es kehrt und Bean war auch wieder da “Mein Beschützer”.Ich glaube dieser Weg ist für uns erstmal tabu.

    Liebe Grüsse Manuela und Bean

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